Woran erkenne ich Mobbing?
Von Mobbing spricht man, wenn eine Person wiederholt und über längere Zeit angegriffen wird und sich kaum wehren kann, weil die anderen in der Überzahl oder stärker sind. Die Angriffe können laut sein oder leise:
- Beschimpfen, Auslachen, Spitznamen, die verletzen sollen
- Ausgrenzen: Niemand setzt sich neben dich, du fliegst aus Gruppenchats
- Gerüchte über dich verbreiten
- Sachen wegnehmen, verstecken oder kaputt machen
- Schubsen, Schlagen, Drohen
Viele Betroffene merken es zuerst am Körper: Bauchschmerzen vor der Schule, schlechter Schlaf, keine Lust mehr hinzugehen. Das ist keine Empfindlichkeit, sondern eine normale Reaktion auf Dauerstress.
Was kann ich tun, wenn ich selbst gemobbt werde?
Sag es jemandem. Das ist der schwerste Schritt, weil viele sich schämen oder befürchten, dass es danach schlimmer wird. Mobbing lebt aber davon, dass niemand eingreift. Erwachsene an der Schule können Dinge tun, die du allein nicht kannst: Gespräche mit den Beteiligten führen, die Sitzordnung ändern, Eltern einbeziehen, Ordnungsmaßnahmen verhängen.
Wer dir an der Schule hilft
- Vertrauenslehrkraft: hört zu, vermittelt und wird in vielen Ländern von den Schüler:innen gewählt.
- Schulsozialarbeit: Fachleute für genau solche Konflikte, an vielen Schulen direkt im Haus. Gespräche bleiben vertraulich.
- Klassenleitung und Schulleitung: können Maßnahmen gegen die Täter:innen ergreifen.
- Schulpsychologischer Dienst: kostenlose Beratung außerhalb der Schule, die jede Schule vermitteln kann.
Außerhalb der Schule erreichst du die Nummer gegen Kummer unter 116 111, kostenlos und anonym. Wenn du bedroht oder verletzt wirst, ruf die Polizei unter 110.
Vorfälle aufschreiben
Notiere, was passiert ist: Datum, Ort, wer beteiligt war, was genau gesagt oder getan wurde, wer es gesehen hat. Mit so einem Mobbing-Tagebuch wird aus „die ärgern mich halt“ eine Liste, mit der Lehrkräfte arbeiten können.
Was ist bei Cybermobbing anders?
Online hört es nach Schulschluss nicht auf, und Beiträge verbreiten sich schnell. Dafür hinterlässt Cybermobbing Spuren, und die helfen dir:
- Mach Screenshots mit Datum, Uhrzeit und Profilnamen, bevor etwas gelöscht wird.
- Antworte nicht auf Provokationen und blockiere die Absender.
- Melde Beiträge und Profile bei der Plattform.
- Zeig die Screenshots einer erwachsenen Person, der du vertraust.
Manches davon ist strafbar, etwa Beleidigung, Bedrohung oder das Verbreiten von Fotos, die dich in intimen Situationen zeigen. Dann kannst du mit deinen Eltern Anzeige bei der Polizei erstatten. Nacktbilder von Minderjährigen an andere weiterzuleiten ist strafbar, auch wenn man sie selbst nur zugeschickt bekommen hat.
Was kann ich tun, wenn ich Mobbing mitbekomme?
Mitlachen oder wegschauen gibt den Tätern Rückendeckung. Du musst dich nicht allein dazwischenstellen, das kann gefährlich werden. Du kannst dich aber zu der betroffenen Person setzen, sie ansprechen, nichts weiterleiten und einer Lehrkraft Bescheid sagen. Damit holst du Hilfe für jemanden, der es allein nicht schafft.
Wer merkt, dass er selbst mitgemacht hat, kann jederzeit aussteigen. Eine Entschuldigung bei der betroffenen Person wiegt viel, auch wenn sie spät kommt.
Und wenn eine Lehrkraft die Grenze überschreitet?
Eine schlechte Note oder Kritik an deinem Verhalten ist noch kein Mobbing. Wenn eine Lehrkraft dich aber immer wieder vor der Klasse bloßstellt oder lächerlich macht, ist das nicht in Ordnung. Halt die Situationen schriftlich fest, frag Mitschüler:innen, wie sie es erleben, und geh mit deinen Eltern zur Schulleitung. Deine Rechte als Schüler:in gelten auch gegenüber Lehrkräften.
Häufige Fragen
Wird es schlimmer, wenn ich es einer Lehrkraft sage?
Die Sorge ist verständlich. Besprich vorher mit der Lehrkraft, was als Nächstes passiert und ob dein Name fallen soll – gut vorbereitete Gespräche schützen dich.
Was ist, wenn meine Eltern nichts davon wissen sollen?
Vertrauenslehrkraft, Schulsozialarbeit und die Nummer gegen Kummer kannst du auch allein ansprechen. Dort klärst du gemeinsam, wann es sinnvoll ist, die Eltern einzubeziehen.
Ist Mobbing strafbar?
Einen eigenen Straftatbestand „Mobbing“ gibt es nicht. Einzelne Handlungen sind aber oft strafbar, etwa Beleidigung, Bedrohung, Nötigung oder Körperverletzung.
Hilft ein Schulwechsel?
Manchmal ja, wenn sich an der alten Schule trotz Gesprächen nichts ändert. Ein Wechsel muss mit den Eltern und der neuen Schule geklärt werden und ist keine Niederlage.