Worin unterscheiden sich Ausbildung und Studium?
In einer dualen Ausbildung arbeitest du die meiste Zeit in einem Betrieb und gehst zusätzlich in die Berufsschule. Du lernst einen bestimmten Beruf, vom ersten Tag an mit echten Aufgaben. Sie dauert je nach Beruf zwei bis dreieinhalb Jahre und endet mit einer Prüfung vor der Kammer, also etwa der Industrie- und Handelskammer oder der Handwerkskammer.
Ein Studium findet an einer Hochschule statt. Du hörst Vorlesungen, arbeitest dich selbst in Themen ein und schreibst am Ende eine Abschlussarbeit. Ein Bachelor dauert meist sechs bis sieben Semester, also drei bis dreieinhalb Jahre. Viele Studiengänge bereiten auf ein ganzes Berufsfeld vor und weniger auf einen festen Beruf.
| Ausbildung | Studium | |
|---|---|---|
| Zugang | rechtlich ohne bestimmten Schulabschluss, Betriebe wählen aus | Abitur, Fachhochschulreife oder berufliche Qualifikation |
| Geld | Ausbildungsvergütung ab dem ersten Monat | kein Gehalt, Finanzierung über Eltern, BAföG oder Nebenjob |
| Alltag | feste Arbeitszeiten, Urlaubsanträge, Berufsschule | freie Zeiteinteilung, Prüfungsphasen am Semesterende |
| Lernen | praktisch, nah am Beruf | theoretisch, wissenschaftliches Arbeiten |
| Dauer | zwei bis dreieinhalb Jahre | Bachelor meist drei bis dreieinhalb Jahre, Master zusätzlich ein bis zwei |
Was spricht für eine Ausbildung?
Das eigene Geld ist für viele der wichtigste Grund. Seit einigen Jahren gibt es für betriebliche Ausbildungen eine gesetzliche Mindestvergütung, viele Tarifverträge liegen deutlich darüber. Was das konkret heißt, steht auf der Seite zur Ausbildungsvergütung.
Dazu kommt die Praxis. Wer nach zwölf oder dreizehn Jahren Schule genug von Theorie hat, sieht in der Ausbildung schnell, wofür das Gelernte gut ist. Der Betrieb lernt dich drei Jahre lang kennen, und viele Azubis werden danach übernommen. Mit einer Ausbildung in der Tasche kannst du später den Meister oder Techniker machen oder ein Studium anhängen, oft gezielter als Mitschüler:innen, die direkt von der Schule kommen.
Der Preis dafür: Du arbeitest Vollzeit, hast weniger Urlaub als in Semesterferien und musst nebenbei für Berufsschule und Prüfungen lernen. Gerade im ersten Lehrjahr ist das eine Umstellung.
Was spricht für ein Studium?
Manche Berufe setzen ein Studium voraus. Ärztin, Lehrer, Richterin, Psychotherapeut oder Ingenieurin wirst du nur über die Hochschule. Wer forschen will, kommt ebenfalls nicht daran vorbei. Auch viele Stellen mit Führungsverantwortung verlangen einen Hochschulabschluss.
Im Studium kannst du dich lange und tief in ein Fach einarbeiten und Schwerpunkte selbst wählen. Ein Auslandssemester ist in vielen Studiengängen vorgesehen, während es in der Ausbildung eher die Ausnahme ist. Im Durchschnitt verdienen Menschen mit Hochschulabschluss über ihr Berufsleben mehr, wobei die Unterschiede zwischen den Fächern groß sind und gut bezahlte Handwerksmeister:innen manche Akademiker überholen.
Die Kehrseite: Du verdienst jahrelang kein eigenes Geld, musst dich selbst organisieren, und der Einstieg in den Job ist nach einem theorielastigen Studium nicht immer leicht. Praktika und ein Werkstudentenjob schon während des Studiums helfen dabei. Wie du ein Studium bezahlst, steht unter BAföG.
Gibt es einen Mittelweg?
Ja, das duale Studium. Du studierst an einer Hochschule und arbeitest in Praxisphasen in einem Unternehmen, das dir in der Regel eine Vergütung zahlt. Manche Modelle enthalten zusätzlich einen vollwertigen Ausbildungsabschluss. Das ist anstrengend, weil Semesterferien weitgehend wegfallen, verbindet aber Geld, Praxis und Abschluss.
Ein anderer Weg ist die Reihenfolge: erst Ausbildung, dann Studium. Viele Hochschulen nehmen Bewerber:innen mit Berufsausbildung und einigen Jahren Berufserfahrung auch ohne Abitur auf, mit Meisterbrief sogar für alle Fächer. Mehr dazu unter Studium ohne Abitur. Daneben gibt es berufsbegleitende Studiengänge für alle, die arbeiten und gleichzeitig studieren wollen.
Welche Fragen helfen bei der Entscheidung?
Wichtiger als die Frage nach Ausbildung oder Studium ist die Frage nach dem Beruf. Wer weiß, was er später machen will, hat die Antwort meist schon. Wenn du das noch nicht weißt, helfen diese Fragen:
- Lernst du gern aus Büchern und Texten, oder verstehst du Dinge erst, wenn du sie selbst machst?
- Wie wichtig ist dir, bald unabhängig von deinen Eltern zu sein?
- Kannst du dich ohne feste Zeiten motivieren, oder brauchst du einen Rahmen?
- Gibt es einen Beruf, der dich reizt, und welcher Abschluss ist dafür nötig?
- Welche Fächer fallen dir leicht, und was machst du in deiner Freizeit, ohne dass es dich jemand auffordert?
Ein Praktikum zeigt dir mehr als jede Liste mit Vor- und Nachteilen. Und der Orientierungstest schlägt dir Berufe vor, die zu deinen Interessen passen, mit Ausbildungs- und Studienwegen.
Eine Lösung ist es nicht, sich ohne Abschluss mit wechselnden Aushilfsjobs durchzuschlagen, bis die Erleuchtung kommt. Ohne Berufsabschluss bleiben die Jobs meist schlecht bezahlt und unsicher. Wer noch keine Richtung hat, nutzt die Zeit mit einem Freiwilligendienst oder einem gut geplanten Jahr besser als mit Warten.
Häufige Fragen
Verdient man mit Studium immer mehr als mit Ausbildung?
Nein. Im Durchschnitt liegen Hochschulabsolvent:innen vorn, aber der Abstand hängt stark vom Fach und vom Beruf ab. Mit Meister oder Techniker kann man mehr verdienen als mit manchem Bachelor.
Kann ich nach einer Ausbildung noch studieren?
Ja. Mit Abitur oder Fachhochschulreife ohnehin, ohne Abitur in vielen Fällen über die berufliche Qualifikation. Die Regeln dafür legt jedes Bundesland fest.
Ist eine Ausbildung nach dem Abitur verschwendete Zeit?
Nein. Abiturient:innen können die Ausbildung oft verkürzen und sind bei vielen Betrieben gefragt. Wer danach studiert, bringt Erfahrung mit, die anderen fehlt.
Was mache ich, wenn ich mich falsch entschieden habe?
Wechseln. Ein Studienabbruch oder ein Ausbildungswechsel ist kein Makel im Lebenslauf, solange du erklären kannst, was du daraus gelernt hast.
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