Die Ausbildung macht keinen Spaß – was tun?
Bevor du über Kündigung nachdenkst, finde heraus, woran es eigentlich liegt. Die Antwort entscheidet, welcher Weg sinnvoll ist. Drei Ursachen kommen besonders oft vor.
Alles ist neu und ungewohnt
Die ersten Wochen nach der Schule sind anstrengend. Früh aufstehen, acht Stunden auf den Beinen, Aufgaben, die du noch nicht verstehst. Dazu kommt, dass du in vielen Berufen zuerst Bereiche kennenlernst, die nicht das Herzstück sind. Wer nach einem Monat zweifelt, sollte meist noch etwas Geduld haben. Vieles wird leichter, sobald du die Abläufe kennst.
Der Beruf passt, der Betrieb nicht
Du magst die Arbeit, aber nicht das Umfeld: ein Ausbilder, der nie Zeit hat, ein Team, in dem du dich nicht wohlfühlst, ständig nur Hilfsarbeiten statt Ausbildungsinhalte. Dann ist ein Betriebswechsel oft die bessere Lösung als ein Abbruch. Manches lässt sich auch im Betrieb klären. Was dir zusteht, steht im Ratgeber Rechte als Azubi.
Der Beruf ist nichts für dich
Du hast dir den Beruf anders vorgestellt und merkst, dass dich die Arbeit selbst nicht interessiert. Dann geht es um eine neue Richtung. Wichtig ist, dass du vor dem Ausstieg weißt, wohin du willst.
Was sollte ich vor einem Abbruch tun?
- Sprich mit deiner Ausbilderin oder deinem Ausbilder. Viele Probleme kennt der Betrieb gar nicht. Ein offenes Gespräch kann mehr ändern, als du denkst.
- Hol dir Rat von außen. Die Ausbildungsberatung deiner Kammer, also etwa der Industrie- und Handelskammer oder der Handwerkskammer, ist kostenlos und kennt solche Fälle. Auch die Jugend- und Auszubildendenvertretung im Betrieb oder deine Gewerkschaft helfen.
- Geh zur Berufsberatung. Die Agentur für Arbeit berät auch Azubis, die wechseln oder neu anfangen wollen.
- Hol dir Unterstützung bei Lernproblemen. Wenn es vor allem in der Berufsschule hakt, gibt es über die Agentur für Arbeit kostenlose Nachhilfe und Begleitung während der Ausbildung (Assistierte Ausbildung).
Bist du schon weit in der Ausbildung, lohnt sich oft der Abschluss, auch wenn du danach etwas anderes machen willst. Ein Berufsabschluss öffnet Türen, etwa zu Weiterbildungen oder zu einem Studium ohne Abitur.
Wie wechsle ich den Ausbildungsbetrieb?
Willst du im selben Beruf bleiben und nur den Betrieb wechseln, kannst du nach der Probezeit nicht einfach mit vier Wochen Frist kündigen. Diese Frist gilt nur, wenn du die Ausbildung ganz aufgibst oder einen anderen Beruf lernst. Für einen Betriebswechsel brauchst du deshalb meist einen Aufhebungsvertrag mit deinem bisherigen Betrieb oder einen wichtigen Grund für eine fristlose Kündigung.
Such dir zuerst den neuen Ausbildungsplatz und unterschreib dort, bevor du den alten Vertrag beendest. Viele Betriebe nehmen gern Azubis, die schon ein Stück Ausbildung hinter sich haben. Die bisherige Zeit kann auf Antrag ganz oder teilweise angerechnet werden, sprich das mit dem neuen Betrieb und der Kammer ab.
Wie kündige ich meine Ausbildung?
Das Berufsbildungsgesetz (BBiG) regelt die Kündigung in § 22. Die Regeln hängen davon ab, ob du noch in der Probezeit bist:
| Situation | Was gilt |
|---|---|
| in der Probezeit | jederzeit ohne Frist und ohne Grund |
| nach der Probezeit, du gibst die Ausbildung auf oder lernst einen anderen Beruf | Kündigung mit 4 Wochen Frist |
| nach der Probezeit, aus wichtigem Grund | fristlos, innerhalb von zwei Wochen, nachdem du von dem Grund erfahren hast |
Die Kündigung muss immer schriftlich sein, auf Papier und von dir unterschrieben. Nach der Probezeit musst du die Gründe darin angeben. Bist du unter 18, brauchst du für die Kündigung in der Regel die Zustimmung deiner Eltern. Mehr zu den ersten Monaten steht im Ratgeber zur Probezeit.
Was ist ein Aufhebungsvertrag?
Mit einem Aufhebungsvertrag beenden du und der Betrieb die Ausbildung gemeinsam, zu einem Termin, auf den ihr euch einigt. Er ist jederzeit möglich und muss ebenfalls schriftlich sein. Lies ihn genau, bevor du unterschreibst, und lass ihn im Zweifel von der Kammer oder der Gewerkschaft prüfen. Ein Aufhebungsvertrag kann Nachteile haben, etwa wenn du danach Arbeitslosengeld beantragen willst. Frag deshalb vorher bei der Agentur für Arbeit nach.
Was passiert nach dem Abbruch?
Dir steht ein Ausbildungszeugnis zu, das zeigt, was du bis dahin gelernt hast. Fordere es an, es hilft bei der nächsten Bewerbung. Im Lebenslauf solltest du einen Abbruch nicht verstecken, sondern kurz und ehrlich erklären, was du daraus gelernt hast. Ein Wechsel mit Plan wirkt auf Betriebe ganz anders als eine Lücke. Wenn du noch nicht weißt, welcher Beruf besser passt, hilft der Ratgeber Welche Ausbildung passt zu mir?
Häufige Fragen
Kann ich meine Ausbildung einfach kündigen?
In der Probezeit ja, jederzeit und ohne Frist. Danach mit vier Wochen Frist, wenn du die Ausbildung ganz aufgibst oder einen anderen Beruf lernen willst, sonst nur aus wichtigem Grund oder per Aufhebungsvertrag.
Kann ich im selben Beruf den Betrieb wechseln?
Ja, meist über einen Aufhebungsvertrag. Kläre den neuen Ausbildungsplatz, bevor du den alten Vertrag beendest.
Wird meine bisherige Ausbildungszeit angerechnet?
Beim Wechsel im selben oder einem verwandten Beruf ist das oft möglich. Die Verkürzung wird bei der zuständigen Kammer beantragt.
Ist ein Ausbildungsabbruch schlimm für den Lebenslauf?
Nicht, wenn du erklären kannst, warum du gewechselt hast und was du jetzt machst. Ein Abbruch ohne Plan mit monatelanger Lücke wirkt schlechter.