Wer fördert
Die dreizehn Begabtenförderungswerke sind die größte Gruppe: parteinahe, kirchliche, gewerkschaftsnahe und wirtschaftsnahe Stiftungen, dazu die Studienstiftung des deutschen Volkes. Sie zahlen ein monatliches Stipendium nach BAföG-Sätzen plus eine Studienkostenpauschale und fördern ideell mit Seminaren und Netzwerk.
Daneben steht das Deutschlandstipendium, das Hochschulen gemeinsam mit privaten Geldgebern vergeben – einkommensunabhängig, in fester Höhe, mit Bewerbung direkt an der Hochschule. Und es gibt eine große Zahl kleinerer Stiftungen für einzelne Fächer, Regionen, Konfessionen oder Lebenslagen, die oft kaum Bewerbungen bekommen.
Auch viele private Hochschulen vergeben eigene Stipendien, die einen Teil oder die gesamten Studiengebühren erlassen. Manche richten sich ausdrücklich an Menschen, die in normalen Programmen durchs Raster fallen, etwa nach einer abgebrochenen Ausbildung, einer wiederholten Klasse oder mit einer Lese-Rechtschreib-Schwäche. Frag bei der Hochschule nach, bevor du sie wegen der Gebühren ausschließt.
Was zählt
Leistung ist ein Kriterium, aber selten das einzige. Gefragt sind außerdem gesellschaftliches Engagement, ein nachvollziehbarer Weg und bei vielen Werken die Frage, ob jemand aus einer Familie ohne Hochschulerfahrung kommt. Manche Programme fördern gezielt Menschen mit Zuwanderungsgeschichte, mit Kind, mit Behinderung oder aus bestimmten Regionen.
Beim Deutschlandstipendium zählt Engagement im weiten Sinn: im Verein, in der Schülervertretung, in der Kirchengemeinde, aber auch in der Familie, etwa wenn du jüngere Geschwister betreust oder Angehörige pflegst. Berücksichtigt wird außerdem, wenn du wegen deiner Herkunft oder Familiensituation besondere Hürden überwinden musstest.
Wer sich unsicher ist, ob er zur Zielgruppe gehört: Die Werke veröffentlichen ihre Auswahlkriterien. Der häufigste Grund, kein Stipendium zu bekommen, ist nicht die Ablehnung – es ist die Bewerbung, die nie geschrieben wurde.
Die Bewerbung
- Früh anfangen: Viele Werke haben nur ein bis zwei Termine im Jahr.
- Das Motivationsschreiben ernst nehmen – dort entscheidet sich mehr als in der Notenübersicht.
- Gutachten rechtzeitig anfragen; Lehrkräfte und Dozierende brauchen Vorlauf.
- Mehrere Bewerbungen parallel: Die Auswahlquoten unterscheiden sich stark.
- Bei kleinen Stiftungen suchen – dort ist die Konkurrenz am geringsten.
Auch für Auszubildende und Schüler
Stipendien sind nicht auf Studierende beschränkt. Das Weiterbildungsstipendium und das Aufstiegsstipendium richten sich an Menschen mit abgeschlossener Berufsausbildung; einzelne Stiftungen fördern schon während der Schulzeit, etwa für Auslandsaufenthalte oder Musikunterricht. Auch hier gilt: Wer nicht sucht, findet nichts.
Neben dem Geld
Zu den meisten Programmen gehört ein Bildungsangebot: Seminare, Sommerakademien, Mentoring, ein Netzwerk aus Geförderten und Ehemaligen. Das ist der Teil, den Ehemalige im Rückblick am häufigsten nennen – und der Grund, warum sich eine Bewerbung auch dann lohnt, wenn du finanziell zurechtkommst.
Wer Stipendien vergibt
| Art | Wer dahintersteht | Worauf geachtet wird |
|---|---|---|
| Begabtenförderungswerke | 13 Werke mit politischer, kirchlicher, gewerkschaftlicher oder wirtschaftsnaher Bindung | Leistung und gesellschaftliches Engagement, Auswahlgespräch |
| Deutschlandstipendium | Bund und private Förderer, vergeben über die Hochschule | Leistung, Engagement, persönliche Umstände; Bewerbung direkt an der Hochschule |
| Stiftungen und Vereine | regional oder fachlich gebunden | oft sehr spezielle Kriterien – deshalb wenig Konkurrenz |
| Unternehmensstipendien | einzelne Firmen | fachlicher Bezug, teils mit Praktikum verbunden |
Der verbreitetste Irrtum
„Stipendien gibt es nur für Einserabiturienten.“ Bei den Begabtenförderungswerken zählt Engagement mindestens so viel wie die Note, und mehrere Werke fördern ausdrücklich Studierende, in deren Familie noch niemand studiert hat. Bei kleinen Stiftungen entscheidet oft ein Kriterium, das nichts mit Leistung zu tun hat – Herkunftsregion, Fach, Familiensituation.
Was zur Bewerbung gehört
- Motivationsschreiben: warum dieses Fach, warum dieses Werk, was du vorhast. Ein bis zwei Seiten.
- Lebenslauf mit Engagement, nicht nur mit Stationen.
- Zeugnisse und meist ein Gutachten einer Lehrkraft oder Dozentin – frag früh danach, zwei Wochen Vorlauf sind das Minimum.
- Bei den Werken zusätzlich ein Auswahlgespräch oder -seminar.
Die Rechnung
Ein Studienstipendium bringt über mehrere Jahre einen Betrag, für den man sonst hunderte Stunden arbeiten müsste – dazu bei den Werken die ideelle Förderung mit Seminaren und Netzwerk. Gemessen daran ist eine Bewerbung mit zwei Tagen Aufwand die bestbezahlte Bewerbung, die man in diesem Lebensabschnitt schreiben kann.
Und die Konkurrenz ist geringer als gedacht: Bei vielen kleineren Stiftungen bleiben Mittel liegen, weil sich zu wenige bewerben.
Häufige Fragen
Kann ich Stipendium und BAföG gleichzeitig bekommen?
Beim Deutschlandstipendium ja, es wird nicht auf das BAföG angerechnet. Bei den Begabtenförderungswerken wird das Grundstipendium einkommensabhängig berechnet, ähnlich wie BAföG – das Büchergeld gibt es zusätzlich. Frag im Zweifel beim Werk nach.
Wann muss ich mich bewerben?
Die Fristen liegen oft ein halbes Jahr vor Studienbeginn, bei manchen Werken kann man sich schon vor der Zulassung bewerben. Beim Deutschlandstipendium läuft die Bewerbung meist im Sommer für das kommende Wintersemester.
Gibt es auch Stipendien für eine Ausbildung?
Ja, etwa das Weiterbildungsstipendium für besonders gute Absolventinnen und Absolventen einer Ausbildung und das Aufstiegsstipendium für ein Studium nach Berufserfahrung. Beide werden vom Bund finanziert und sind deutlich weniger bekannt als die Studienstipendien.