Was lerne ich in der Berufsschule?
Der größte Teil des Unterrichts dreht sich um deinen Beruf. Diese Fächer heißen meist Lernfelder und folgen einem Lehrplan, der für deinen Ausbildungsberuf festgelegt ist. Eine Industriekauffrau lernt dort Buchführung und Einkauf, ein Elektroniker Schaltungen und Sicherheitsvorschriften. Dazu kommen allgemeine Fächer wie Deutsch, Politik oder Wirtschaftskunde, Sport und je nach Bundesland Religion oder Ethik.
Das klingt nach Schule, fühlt sich aber oft anders an. Viele Themen kennst du schon aus dem Betrieb, und umgekehrt verstehst du dort plötzlich, warum ein Arbeitsschritt so gemacht wird. Wie die duale Ausbildung insgesamt aufgebaut ist, steht im Ratgeber Duale Ausbildung.
Wie oft muss ich zur Berufsschule?
Das hängt von deinem Beruf und deiner Schule ab. Es gibt zwei übliche Formen:
| Teilzeitunterricht | Blockunterricht | |
|---|---|---|
| Ablauf | ein bis zwei Tage pro Woche Schule, die übrigen Tage im Betrieb | mehrere Wochen am Stück Schule, dann wieder mehrere Wochen Betrieb |
| Vorteil | Theorie und Praxis wechseln sich ständig ab | du kannst dich ganz auf eine Sache konzentrieren |
| Nachteil | du musst jede Woche umschalten | bei weit entfernter Schule bist du oft länger weg von zu Hause |
Für Berufe mit wenigen Azubis gibt es nicht an jedem Ort eine passende Klasse. Dann gehst du an eine Berufsschule, die Azubis aus einer ganzen Region oder sogar aus mehreren Bundesländern sammelt. Meist findet der Unterricht dort in Blöcken statt, und du wohnst in dieser Zeit in einem Wohnheim oder einer anderen Unterkunft. Eine allgemeine Pflicht des Betriebs, die Kosten dafür zu tragen, gibt es nicht. Oft regeln das Tarif- oder Ausbildungsvertrag, und viele Bundesländer zahlen Zuschüsse. Schickt dich der Betrieb an eine andere als die zuständige Schule, zahlt er. Frag deshalb schon beim Vertragsabschluss nach. Mehr dazu steht im Ratgeber Rechte in der Ausbildung.
Muss mich der Betrieb für die Berufsschule freistellen?
Ja. Nach § 15 des Berufsbildungsgesetzes (BBiG) muss dein Betrieb dich für den Unterricht freistellen. Er darf nicht verlangen, dass du stattdessen arbeitest. Außerdem gilt für alle Azubis, egal wie alt:
- Beginnt der Unterricht vor 9 Uhr, darfst du vorher nicht im Betrieb beschäftigt werden.
- Hast du an einem Tag mehr als fünf Unterrichtsstunden zu je 45 Minuten, hast du danach frei. Das gilt für einen solchen Berufsschultag pro Woche.
- In einer Blockwoche mit mindestens 25 Unterrichtsstunden an mindestens fünf Tagen musst du nicht zusätzlich in den Betrieb. Erlaubt sind nur betriebliche Ausbildungsveranstaltungen von bis zu zwei Stunden pro Woche.
Die Zeit in der Berufsschule zählt als Ausbildungszeit. Ein langer Berufsschultag wird mit deiner durchschnittlichen täglichen Ausbildungszeit angerechnet, eine volle Blockwoche mit deiner durchschnittlichen Wochenarbeitszeit. Du musst also keine Stunden nacharbeiten.
Muss ich nach der Berufsschule noch arbeiten?
Kommt darauf an, wie viel Unterricht du hattest. Nach einem Schultag mit mehr als fünf Stunden: nein, zumindest an einem solchen Tag pro Woche. Nach einem kürzeren Schultag kann der Betrieb verlangen, dass du für den Rest der Arbeitszeit zurückkommst. Das gilt auch, wenn du unter 18 bist. Die zusätzlichen Regeln für Jugendliche stehen im Ratgeber zum Jugendarbeitsschutz.
Gibt es eine Berufsschulpflicht?
Ja, aber wie lange sie gilt, regelt jedes Bundesland selbst in seinem Schulgesetz. In den meisten Ländern bist du während einer dualen Ausbildung berufsschulpflichtig, solange die Ausbildung läuft. Wenn du schon älter bist oder Abitur hast, kann es Ausnahmen geben. Bist du nicht mehr schulpflichtig, darfst du in der Regel trotzdem die Berufsschule besuchen. Zur Teilnahme verpflichtet dich dann dein Ausbildungsvertrag, denn das BBiG verlangt, dass du am Unterricht teilnimmst.
Was passiert, wenn ich krank bin oder schwänze?
Bist du an einem Schultag krank, meldest du dich bei beiden: in der Schule und im Betrieb. Unentschuldigtes Fehlen in der Berufsschule ist eine Verletzung deiner Pflichten aus dem Ausbildungsvertrag. Der Betrieb erfährt davon und kann dich deswegen abmahnen. Wie das abläuft, steht im Ratgeber Abmahnung in der Ausbildung.
Kann ich in der Berufsschule durchfallen?
Sitzenbleiben wie in der allgemeinbildenden Schule gibt es nicht. Du bekommst Zeugnisse mit Noten, aber über deinen Berufsabschluss entscheidet die Abschlussprüfung vor der Kammer, also etwa der Industrie- und Handelskammer oder der Handwerkskammer. Wer sie nicht besteht, kann sie zweimal wiederholen. Auf Wunsch verlängert sich die Ausbildung dann bis zur nächsten Wiederholungsprüfung, höchstens um ein Jahr. Gute Berufsschulnoten sind trotzdem wichtig: Wer dort den Stoff versteht, hat in der Prüfung deutlich weniger Arbeit.
Häufige Fragen
Wie viele Stunden habe ich in der Berufsschule?
Im Teilzeitunterricht sind es meist rund zwölf Stunden pro Woche, verteilt auf ein oder zwei Tage. Die genaue Zahl legt deine Schule fest.
Kann ich mir die Berufsschule aussuchen?
Meistens nicht. Welche Schule zuständig ist, ergibt sich aus dem Ort deines Ausbildungsbetriebs und deinem Beruf.
Bekomme ich in der Berufsschule Ferien?
Ja, die Berufsschule hat Schulferien. Für dich als Azubi sind sie aber kein Urlaub: In dieser Zeit arbeitest du im Betrieb, außer du nimmst Urlaubstage.
Wer bezahlt die Fahrt zur Berufsschule?
Das ist nicht einheitlich geregelt. Manche Bundesländer, Landkreise oder Betriebe zahlen Zuschüsse, frag bei Schule und Betrieb nach.