Was sollte ich vor dem ersten Tag klären?
Je weniger am Morgen offen ist, desto ruhiger kommst du an. Fahr den Weg vorher einmal ab, am besten zur selben Uhrzeit, damit du weißt, wie voll der Bus ist und wo du parken oder dein Rad abstellen kannst. Plane einen Puffer ein. Wer am ersten Tag zehn Minuten zu früh vor der Tür steht, hat nichts verloren.
Frag nach, wenn dir in der Einladung etwas fehlt: Wann genau geht es los, bei wem meldest du dich, gibt es Arbeitskleidung oder eine Kleiderordnung? Im Büro reicht meist ordentliche Alltagskleidung, in Werkstatt, Labor oder Küche bekommst du oft Schutzkleidung gestellt. Wenn du unsicher bist, zieh dich lieber eine Stufe zu ordentlich an als zu locker.
Welche Unterlagen brauche ich?
Viele Betriebe fragen die Daten schon vorher ab. Falls nicht, bring sie am ersten Tag mit:
- deine Steuer-Identifikationsnummer (sie steht in einem Brief vom Bundeszentralamt für Steuern, den deine Eltern meist aufbewahrt haben)
- deine Sozialversicherungsnummer und den Namen deiner Krankenkasse
- deine Kontoverbindung für die Ausbildungsvergütung
- eine Kopie deines Ausbildungsvertrags
- wenn du unter 18 bist: die Bescheinigung über die ärztliche Erstuntersuchung
Die Erstuntersuchung schreibt das Jugendarbeitsschutzgesetz vor. Ohne sie darf dich der Betrieb gar nicht beschäftigen. Mehr dazu steht im Ratgeber zum Jugendarbeitsschutz. Noch kein eigenes Konto? Dann hilft der Ratgeber zum ersten Konto.
Was passiert am ersten Tag?
Meistens wenig Arbeit und viel Einführung. Du bekommst eine Führung durch den Betrieb, lernst deine Ausbilderin oder deinen Ausbilder kennen, erhältst Zugänge, Schlüssel oder Arbeitskleidung und eine Sicherheitsunterweisung. Die ist keine Formsache: Hier erfährst du, wo Notausgänge und Erste-Hilfe-Kasten sind und welche Maschinen du noch nicht anfassen darfst.
In größeren Betrieben gibt es Einführungstage für alle neuen Azubis zusammen. Das ist eine gute Gelegenheit, Leute aus deinem Jahrgang kennenzulernen, mit denen du später auch in der Berufsschule sitzt.
Wie merke ich mir all die Namen und Abläufe?
Gar nicht alle auf einmal, und das weiß auch jeder im Betrieb. Nimm einen kleinen Block oder das Handy und schreib dir in Pausen auf, wer wofür zuständig ist, wie das WLAN heißt, wo die Arbeitszeiten erfasst werden. Am Abend kurz durchzulesen hilft mehr als jeder Versuch, alles im Kopf zu behalten.
Viele ungeschriebene Regeln lernst du durch Hinschauen: Duzt man sich? Wer kocht den Kaffee, wer räumt die Spülmaschine aus? Wann macht das Team Mittag? Das ist in jedem Betrieb anders. Beobachte die ersten Tage und mach mit, statt eigene Gewohnheiten mitzubringen.
Darf ich viele Fragen stellen?
Ja, und zwar besser zu viele als zu wenige. Wer fragt, zeigt Interesse und macht weniger Fehler. Ein Trick, der dir Ärger erspart: Sammle kleine Fragen und stell sie gebündelt, statt alle fünf Minuten zu unterbrechen. Wenn du eine Aufgabe nicht verstanden hast, sag es sofort. Eine Rückfrage kostet eine Minute, eine falsch erledigte Aufgabe oft eine Stunde.
Was mache ich, wenn mir ein Fehler passiert?
Sag es. Fehler passieren in den ersten Wochen jedem, auch erfahrenen Leuten in einem neuen Job. Ärger gibt es fast nie für den Fehler selbst, sondern dafür, ihn zu verschweigen. Wer offen sagt „Da ist mir etwas schiefgegangen“ und fragt, wie es richtig geht, gewinnt eher Vertrauen.
Kritik am Anfang ist meistens Anleitung. Hör zu, frag nach, wenn du sie nicht verstehst, und versuch es beim nächsten Mal anders. Wenn Kritik verletzend oder ständig unfair wird, ist das ein anderes Thema. Dann hilft der Ratgeber zu deinen Rechten als Azubi weiter.
Wie finde ich Anschluss im Team?
Geh mit, wenn dich jemand zum Mittagessen oder in die Kaffeeküche einlädt, auch wenn du lieber für dich wärst. Wenn niemand fragt, frag selbst, ob du dich dazusetzen darfst. Bei dieser Frage sagt kaum jemand Nein.
Länger zu bleiben als alle anderen, um Eindruck zu machen, ist dagegen keine gute Idee. Deine Arbeitszeit steht im Vertrag, und wenn du unter 18 bist, setzt das Gesetz klare Grenzen. Pünktlich da sein und bis zum Schluss aufmerksam bleiben, das reicht.
Was ist das Berichtsheft?
Im Berichtsheft, offiziell Ausbildungsnachweis, hältst du fest, was du in Betrieb und Berufsschule gelernt hast. Ohne ordentlich geführten Nachweis wirst du nicht zur Abschlussprüfung zugelassen. Frag gleich in der ersten Woche, ob es auf Papier oder digital geführt wird und wann es abgezeichnet wird. Der Betrieb muss dir die Zeit dafür in der Arbeitszeit geben.
Häufige Fragen
Was ziehe ich am ersten Arbeitstag an?
Frag vorher nach, ob es eine Kleiderordnung oder Arbeitskleidung gibt. Ohne Vorgabe fährst du mit sauberer, ordentlicher Alltagskleidung gut, eine Stufe schicker als in der Schule.
Bekomme ich am ersten Tag schon richtige Aufgaben?
Meistens nicht. Der erste Tag besteht überwiegend aus Einführung, Rundgang und Unterweisungen. Richtig mitarbeiten wirst du erst nach und nach.
Was tue ich, wenn ich am ersten Tag krank bin?
Ruf so früh wie möglich im Betrieb an, bevor dein Arbeitsbeginn ist. Wie lange du ohne ärztliche Bescheinigung fehlen darfst, regelt der Betrieb, oft steht es im Vertrag.
Muss ich am ersten Tag Kaffee kochen?
Wenn alle im Team mal an der Reihe sind, gehörst du dazu. Ausbildungsfremde Hilfsarbeiten dürfen aber nicht zum Hauptteil deiner Arbeit werden.