Warum ein Praktikum mehr bringt als jede Broschüre
Berufsbeschreibungen zeigen, was jemand tut. Sie zeigen nicht, wie es sich anfühlt, das acht Stunden am Tag zu tun – mit denselben Kolleginnen, im selben Raum, mit den Aufgaben, die niemand aufschreibt. Genau das entscheidet aber darüber, ob ein Beruf hält, was er verspricht.
Deshalb ist der wichtigste Ertrag eines Praktikums oft ein Nein. Zwei Wochen, die dir zeigen, dass Büro nichts für dich ist, sparen dir drei Jahre.
Welche Arten es gibt
- Schülerpraktikum: ein bis drei Wochen, von der Schule organisiert oder selbst gesucht, unbezahlt. Der Klassiker in Klasse 9 oder 10.
- Freiwilliges Praktikum in den Ferien: du suchst es selbst, Dauer nach Absprache. Wenn es länger als drei Monate dauert und du nicht mehr schulpflichtig bist, greift in der Regel der Mindestlohn.
- Pflichtpraktikum im Studium oder in einer schulischen Ausbildung: in der Prüfungsordnung vorgeschrieben, meist unbezahlt und vom Mindestlohn ausgenommen.
- Orientierungspraktikum vor einer Ausbildung oder einem Studium: bis zu drei Monate, ebenfalls mindestlohnfrei.
Praktika lassen sich auch im Ausland machen. Sie verbinden Berufserfahrung mit einer Fremdsprache, brauchen aber deutlich mehr Vorbereitung: Unterkunft, Anreise und Versicherung musst du selbst klären, außerhalb der EU oft auch ein Visum. Wie du das organisierst, steht unter Auslandspraktikum.
Wie du eines findest
Der direkte Weg funktioniert besser als jedes Portal: Betrieb heraussuchen, anrufen, nach der zuständigen Person fragen, kurz sagen, worum es geht. Viele kleine Betriebe schreiben Praktikumsplätze nie aus, sagen aber zu, wenn jemand fragt. Eine Bewerbung reicht dann in kurzer Form – wer du bist, was du dir ansehen willst, wann du Zeit hast.
Wenn du nicht weißt, wonach du suchen sollst: Der Orientierungstest sortiert die Berufsprofile nach deinen Interessen. Nimm aus der Trefferliste zwei Berufe, die du nicht kanntest, und such dafür einen Betrieb in deiner Nähe.
Was dir zusteht
Auch im Praktikum gilt das Arbeitsschutzrecht. Unter 18 Jahren begrenzt das Jugendarbeitsschutzgesetz die tägliche Arbeitszeit, verlangt Pausen und verbietet bestimmte gefährliche Arbeiten. Du bist über den Betrieb gesetzlich unfallversichert. Und du hast Anspruch auf ein Zeugnis – frag am letzten Tag danach, hinterher wird es mühsam.
Kaffee kochen und Kopieren gehören dazu, dürfen aber nicht die Hauptbeschäftigung sein. Wenn du nach drei Tagen nichts vom eigentlichen Beruf gesehen hast, sprich die betreuende Person an. Das ist kein Aufstand, sondern der Sinn der Sache.
Woran du merkst, dass es etwas gebracht hat
Vier Fragen am letzten Tag: Was war die häufigste Tätigkeit – nicht die spannendste? Womit hat die Person, die den Job macht, ihre Zeit verbracht? Was hat dich genervt, und wäre das jeden Tag so? Und: Würdest du wiederkommen?
Schreib die Antworten auf, solange sie frisch sind. Ein Jahr später, wenn die Bewerbungen anstehen, sind sie der Unterschied zwischen „ich interessiere mich für den Beruf“ und einem Satz, den außer dir niemand schreiben kann.
Hat es dir nicht gefallen, frag dich, woran es lag: am Beruf oder am Betrieb. Ein kleiner Handwerksbetrieb und ein Konzern mit eigener Ausbildungsabteilung fühlen sich völlig verschieden an, auch wenn derselbe Beruf dahintersteht. Hat dich die Tätigkeit selbst interessiert, lohnt ein zweites Praktikum woanders, bevor du den Beruf streichst.
Und wenn es gepasst hat, war das Praktikum zugleich deine erste Bewerbung. Wer pünktlich ist, nachfragt und mit anpackt, bleibt in Erinnerung – und Betriebe stellen gern Leute ein, die sie schon erlebt haben.
Die Arten im Überblick
| Art | Dauer | Bezahlung | Wozu |
|---|---|---|---|
| Schülerpraktikum | 1–3 Wochen | unbezahlt | Erster Einblick, meist über die Schule |
| Freiwilliges Ferienpraktikum | 1–8 Wochen | Mindestlohn ab 3 Monaten, wenn nicht mehr schulpflichtig | Beruf ausprobieren |
| Orientierungspraktikum | bis 3 Monate | mindestlohnfrei | Vor Ausbildung oder Studium |
| Pflichtpraktikum | laut Ordnung | meist unbezahlt, mindestlohnfrei | Vorgeschrieben in Studium oder schulischer Ausbildung |
| Praxissemester | 4–6 Monate | oft vergütet | Teil eines Studiengangs |
Regelfälle nach dem Mindestlohngesetz; im Zweifel gilt der Vertrag und die Prüfungsordnung.
Die Bewerbung
Kurz halten: Wer du bist, was du dir ansehen willst, wann du Zeit hast. Bei kleinen Betrieben funktioniert der Anruf besser als die Mail – viele schreiben Praktikumsplätze nie aus, sagen aber zu, wenn jemand fragt. Notier dir vorher zwei Sätze, damit du am Telefon nicht ins Stocken kommst.
Das Berichtsheft für die Schule
Wenn die Schule einen Bericht verlangt, schreib jeden Tag drei Zeilen, statt am letzten Wochenende alles zu rekonstruieren. Notier dabei auch, was dich überrascht hat – das ist der Teil, der später im Bewerbungsgespräch etwas wert ist.
Nach dem Praktikum
- Am letzten Tag um eine Bescheinigung oder ein Zeugnis bitten. Hinterher wird es mühsam.
- Die Kontaktdaten der betreuenden Person aufschreiben – das ist deine spätere Referenz.
- Aufschreiben, was die häufigste Tätigkeit war und ob du sie jeden Tag machen wolltest.
- Wenn es gepasst hat: fragen, ob der Betrieb ausbildet und wann die Bewerbung fällig wäre.
Häufige Fragen
Bekomme ich im Praktikum Mindestlohn?
Bei einem freiwilligen Praktikum ab drei Monaten Dauer ja, wenn du nicht mehr schulpflichtig bist. Ausgenommen sind Pflichtpraktika aus einer Schul-, Ausbildungs- oder Studienordnung sowie Orientierungspraktika bis drei Monate.
Bin ich im Praktikum versichert?
Ja, über die gesetzliche Unfallversicherung des Betriebs beziehungsweise – beim Schülerpraktikum – über die Schule. Für Schäden, die du verursachst, greift deine private Haftpflicht; prüf, ob du über die Eltern mitversichert bist.
Was tue ich, wenn ich nur zusehen darf?
Nach zwei oder drei Tagen die betreuende Person ansprechen und um eine Aufgabe bitten. In den allermeisten Fällen liegt es nicht an Absicht, sondern daran, dass niemand daran gedacht hat.
Wie lange sollte ein Praktikum dauern?
Für einen ersten Eindruck reichen ein bis zwei Wochen. Wer einen Beruf ernsthaft prüfen will, bleibt länger, denn in den ersten Tagen sieht man vor allem Einarbeitung und noch wenig vom Alltag.