Als ich ungefähr zehn war, konnte ich mir als Beruf nichts schöneres als Tierärztin vorstellen. Ein bisschen Hunde streicheln und hier und da ein Medikament verschreiben- perfekt! Dann wurde mir klar, dass Tierarzt sein auch bedeutet, Tiere zu operieren oder gegebenenfalls einzuschläfern. Na ja, macht nix, dachte ich mir. Dann eben Tierpfleger. Schließlich ist Affen streicheln sowieso viel spannender!
Knapp zwölf Jahre später stehe ich nun Jan gegenüber, der seit September 2015 seine Ausbildung zum Tierpfleger im Vivarium Darmstadt macht. Er hat vorher bereits ein Praktikum in einem anderen Zoo absolviert und wusste daher ziemlich genau, was auf ihn zukommt. Mit dem Vorurteil, dass sein Alltag nur aus Tiere streicheln besteht, räumt er schon in den ersten Minuten auf. Als Tierpfleger ist man für das Reinigen der Gehege und die Tierfütterung zuständig. Man muss die Tiere genau beobachten, sie kennen und Auffälligkeiten weiterleiten. Nur so können Krankheiten und Verletzungen rechtzeitig erkannt werden.


Nichts für Weicheier!


Um sieben Uhr beginnt Jans Tag. Dann heißt es Dienstbesprechung, was steht heute alles auf dem Programm, kommt der Tierarzt oder eine neue Lieferung Futter und so weiter. Danach geht jeder in sein „Revier“ also zu den Gehegen, die ihm zugewiesen sind. Bei Jan sind das momentan die Huftiere, zu denen zum Beispiel die Esel und Zebras gehören. Eine Kontrollrunde, dann geht es in die Futterküche. Da wird das Essen für die Tiere hergerichtet. Dazu gehört übrigens auch manchmal das Töten von Futtertieren wie Mäusen oder Fischen. Dessen sollte sich jeder Azubi vorher bewusst sein, schließlich sind nicht alle Tiere Vegetarier. Tierpfleger dürfen keine Pienzen sein, das wird mir sehr schnell klar. Sie müssen immer raus, egal ob es regnet, schneit oder 30 Grad im Schatten hat. Denn die Tiere wollen versorgt werden und haben Hunger. Es gibt viele Aufgaben die Kraft und Ausdauer erfordern, wie zum Beispiel das Säubern der großen Außenanlagen. Neben der täglichen Fütterung und Reinigung stehen auch oft Arbeiten wie der Bau neuer oder die Reparatur alter Anlagen an, Dinge die in einem Zoo eben auf kurz oder lang anfallen. Auch eine gewissen Ruhe sollte man mitbringen, denn Tiere mögen keine hektischen Bewegungen.


Köpfchen ist gefragt.


Neben der körperlichen Herausforderung werden die Azubis zusätzlich geistig ordentlich gefordert. Zwei Mal die Woche heißt es für Jan Schulbank drücken. Einen Tag davon ist er in der Berufsschule und lernt dort alles rund um die Themen Tierfütterung, Tierhaltung und Anatomie. Wie funktioniert das Auge, welche Nahrung braucht ein Tapir und wie lange trägt eigentlich ein Zebra? Auch Mathe steht auf dem Stundenplan. Warum dass denn, will ich wissen. Jan erklärt mir, dass er zum Beispiel genaue Futtermischungen berechnen können muss oder Reinigungslösungen richtig abmischen. Außerdem muss er wissen, wie viel jede Tierart an Platz braucht und ob diese Bedingungen an seiner Ausbildungsstelle erfüllt sind. So komplex habe ich mir das alles definitiv nicht vorgestellt. Den zweiten Tag seiner Schulzeit ist Jan mit anderen Auszubildenden aus ganz Hessen im Frankfurter Zoo und behandelt dort alle Themen rund um das Gebiet Tierkunde. Sie schauen Dokumentationen, lesen Texte, dürfen aber auch selbst ran. Vor einiger Zeit mussten sie zum Beispiel sezieren um auch praktische Erfahrungen in der Anatomie zu sammeln.


Keine Kuscheltiere


Langsam verabschiede ich mich von der Traumvorstellung des Tierstreichlers. Ich bin überrascht wie viel einem Tierpfleger täglich abverlangt wird und habe großen Respekt vor Jan und seinen Kollegen. Der Umgang mit wilden Tieren ist gefährlich und dessen müssen sie sich während ihrer Arbeit immer bewusst sein. Es sind eben keine Kuscheltiere. Trotzdem hat Jan eine enge Verbindung zu seinen Schützlingen, das merke ich, während er mir die verschiedenen Gehege zeigt. Ohne Mühe findet er zwischen Blättern und Ästen versteckt das Eulenweibchen, während ich mich vergeblich abmühe beim Suchen. Er kennt die Dame und weiß, wo sie am liebsten sitzt. Das Chamäleon sieht er in wenigen Sekunden, ich brauche dagegen mehrere Minuten. Jedes Tier hat seine Lieblingsorte, verrät er mir. Und die scheint er inzwischen praktisch alle zu kennen.


Zusammenfassend!


Tierpfleger ist ein anstrengender, vielseitiger und spannender Beruf, der einem einiges abverlangt. Man sollte kein Problem damit haben, sich schmutzig zu machen oder nass zu werden. Die Tiere sind nicht zum Streicheln da und können im Ernstfall auch gefährlich werden. Dieser ganzen Sachen sollte man sich bewusst sein, wenn man sich für den Beruf entscheidet. Wen allerdings all das nicht abschreckt, den erwartet ein einzigartiger und aufregender Besuch, der jeden Tag einmalige Eindrücke mit sich bringt und garantiert nie langweilig wird. Ein Abitur müsst ihr für die Ausbildung übrigens nicht haben, dafür allerdings eine ordentliche Portion Glück. Auf eine Stelle bewerben sich hunderte, in größeren Zoos sogar tausende Interessierte. Wer erst einmal hinein schnuppern möchte, der ist am besten mit einem Berufspraktikum oder einem freiwilligen, sozialen Jahr bedient.


Hat vielleicht jemand von euch schon mal darüber nachgedacht, Tierpfleger/in zu werden oder steckt sogar schon in der Ausbildung? Schreibt uns in die Kommentare, was ihr von dem Beruf haltet. Wir freuen uns über eure Meinung und sind gespannt! (hs/fd)