Wie es funktioniert
Als Au-pair lebst du für sechs bis zwölf Monate in einer Gastfamilie im Ausland, betreust deren Kinder und hilfst im Haushalt. Dafür bekommst du ein eigenes Zimmer, Verpflegung und ein Taschengeld. Du bist kein Personal und kein Gast, sondern etwas dazwischen – „auf Gegenseitigkeit“, so die wörtliche Übersetzung.
Der Umfang ist geregelt: Üblich sind je nach Land um die 30 Stunden pro Woche, dazu einige Abende Babysitting im Monat, mindestens ein freier Tag pro Woche und bezahlter Urlaub. Was genau gilt, steht im Vertrag und in den Regeln des Ziellandes – innerhalb der EU unterscheiden sie sich erheblich.
Was du mitbringen musst
- Meistens 18 bis 26 Jahre, je nach Land anders begrenzt.
- Grundkenntnisse der Landessprache – für die USA und Australien ein Nachweis, in Europa oft ein Gespräch.
- Erfahrung mit Kindern. Babysitten, Ferienfreizeit, jüngere Geschwister zählen; ein Nachweis wird oft verlangt.
- Für einige Länder ein Erste-Hilfe-Kurs, ein Führungszeugnis und ein ärztliches Attest.
- Außerhalb der EU: ein Visum. Für die USA das J-1, das nur über zugelassene Agenturen läuft und mehrere Monate Vorlauf braucht.
Was es kostet und was es einbringt
Das Taschengeld deckt Freizeit und Fahrten, aber es ist kein Verdienst – wer sparen will, ist mit einem Job besser bedient. Kosten entstehen für Flug, Visum, Versicherung und, wenn du über eine Agentur gehst, für die Vermittlung. Die Gebühren gehen je nach Anbieter weit auseinander; Vermittlungen über gemeinnützige Träger sind oft günstiger als kommerzielle.
Der eigentliche Ertrag ist die Sprache. Ein Jahr im Alltag einer Familie bringt sprachlich mehr als jeder Kurs – vorausgesetzt, die Familie spricht mit dir die Landessprache und nicht Englisch, weil es schneller geht. Das ist eine Frage, die man vorher stellen sollte.
Woran du eine gute Gastfamilie erkennst
- Es gibt einen schriftlichen Vertrag mit Arbeitszeit, freien Tagen, Urlaub und Taschengeld – vor der Abreise, nicht danach.
- Du hast vor der Zusage mehrmals mit der Familie gesprochen, per Video, und auch mit den Kindern.
- Du bekommst Kontakt zu einem früheren Au-pair der Familie. Wenn es keines gab oder der Kontakt nicht möglich ist, ist das eine Antwort.
- Es gibt eine Ansprechperson im Zielland und eine Notfallnummer, die nicht die Familie selbst ist.
- Das eigene Zimmer ist ein Zimmer mit Tür, kein abgetrennter Teil eines Wohnraums.
Wenn es schiefgeht
Es kommt vor, dass Arbeitszeit und Vertrag auseinanderlaufen oder die Chemie einfach nicht stimmt. Deshalb ist die Betreuung vor Ort das wichtigste Auswahlkriterium für eine Organisation: Wer wechseln muss, braucht innerhalb von Tagen eine neue Familie oder einen Rückflug. Kläre vor der Abreise, wer das übernimmt und wer es bezahlt.
Was danach dranhängt
Ein Au-pair-Jahr verschiebt den Studienstart. Kläre vorher, ob deine Bewerbung dadurch in ein anderes Vergabeverfahren fällt. Beim Kindergeld gilt: Bei einem anerkannten Freiwilligendienst läuft es weiter, bei einem reinen Au-pair-Aufenthalt in der Regel nicht – frag vor der Abreise bei der Familienkasse nach und lass dir die Auskunft schriftlich geben.